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Sport-Verein Grohn von 1911 e.V.

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Hausbesuch bei Charline Damaschun

Kitty ZTG

Foto: Klaus Grunewald

Katzen haben die Nummer zehn im Blick
Hausbesuch bei Charline Damaschun, Mannschaftsführerin des Grohner Landesliga-Fußballteams

 

Von Klaus Grunewald

Lesum. "Leonie" ist ein wenig beunruhigt über das fremde Gesicht des Besuchers. Die Katzenmama wirft einen prüfenden Blick auf den Nachwuchs. Doch "Rambo" und "Fiepsi" sind nur hungrig und saugen, was das Zeug hält. Die beiden drei Wochen alten Kätzchen sind die jüngsten Untermieter von Charline Damaschun aus der Saßnitzer Straße.
Doch sie dürften bald ebenso behände und gewandt mit dem Wollknäuel umgehen wie die 23-jährige Burgdammerin mit dem Fußball. Den hat sie schon als Grundschülerin nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Jetzt profitiert die Landesliga-Damenmannschaft des SV Grohn von den fußballerischen Fertigkeiten der angehenden Krankenschwester. Vor- und Nachname der Burgdammerin klingen ungewöhnlich. Opa Damaschun kam einst aus Ostpreußen nach Bremen-Nord, Charline ist die französische weibliche Form von Charles, zu deutsch: Karl. Und Karl war schon im Mittelalter die Bezeichnung für "Mann". Den steht Charline Damaschun fast jede Woche auf dem Fußballplatz. Seit vielen Jahren mit der Nummer zehn auf dem Trikot des SV Grohn. Und die zehn weist ihren Träger in der Welt des Fußballs meistens als Lenker und Denker des Teams aus.


Dienstälteste Spielerin: Charline Damaschun ist mit ihren 23 Jahren die dienstälteste Spielerin der Grohnerinnen. Als Mannschaftsführerin fungiert sie auf dem Feld als verlängerter Arm von Trainer Ali Özelcanat und Teammanager sowie Co-Trainer Heinz Tienken. Kein ganz einfaches Unterfangen, denn der Altersunterschied in der Truppe ist groß, das Weltbild einer 30-Jährigen bisweilen zumindest gewöhnungsbedürftig für die 16-jährige Mitspielerin. Allerdings lässt Charline Damaschun keinen Zweifel aufkommen: "Auf dem Platz sind wir eine Mannschaft, arbeiten gemeinsam für den Erfolg und verstehen uns auch menschlich." Die sportliche Bilanz kann sich sehen lassen. Zurzeit belegen die Grohnerinnen den dritten Platz in der 11er-Landesliga der Frauen, in der sie als einziges Team aus Bremen-Nord mitmischen.
Charline Damaschun bewohnt zusammen mit ihrem Freund Tobias Knoop (25) die obere Etage ihres Elternhauses in der Saßnitzer Straße. Der Blick durch das Wohnzimmerfenster fällt auf den großen Garten, in dem die rechteckige Rasenfläche wie ein Fußball-Kleinfeld wirkt. Und als solches wird sie nicht selten genutzt, wenn Freunde und Verwandte zu Besuch kommen. "Dann wird vor dem Grillen auch mal eine Runde gekickt", sagt die 23-Jährige, die schon als Abc-Schützin mit den Jungs auf dem Schulhof oder vor der Haustür dem runden Leder nachjagte. Im Alter von acht Jahren entdeckte sie aber auch ihr Faible für das nasse Element, bestritt für die TuSG Ritterhude Vereinswettkämpfe, bevor ihr das Training als Leistungsschwimmerin zu anstrengend wurde. Die Alternative? Natürlich der Fußball. Und der inzwischen verstorbene Papa half. Er surfte im Internet und landete schnell beim SV Grohn.
Mit 14 schnürte die Tochter die Fußballstiefel für die "Husarinnen", seit sechs Jahren ist Charline eine feste Größe im Frauenteam. "Fiepsi" fiebt, daher der Name für die kleine Katze. Mutter "Leonie" hebt den Kopf, als wollte sie der Hausherrin signalisieren, dass alles in Ordnung sei. Was der drei Wochen alte Kater bestätigt, indem er mit den Vorderpfoten auf die Milchdrüse der Mutter trommelt - Rambo eben.
Eine heile Welt, die im Kontrast zur Arbeitswelt der 23-Jährigen steht. Sie will Krankenschwester werden, ist im dritten Lehrjahr und legt im April 2011 ihre Prüfung ab. Am liebsten würde sie im Zentralkrankenhaus Bremen-Nord eine feste Anstellung finden. Nach zehn Schuljahren, zuletzt an der Helsinkistraße in Marßel, dem Besuch der Gesundheitsschule in Walle und einem Freiwilligen Sozialen Jahr bei der Egestorffstiftung hat Charline Damaschun ihre Berufung gefunden: Sie will helfen, für Menschen da sein. Helfen will sie auch ihrem Team auf dem Platz. Und weil von der Angriffsspitze der Grohnerinnen nach Meinung des Trainergespanns mehr Gefahr ausgehen sollte, ist die Burgdammerin von ihrem angestammten Platz im offensiven Mittelfeld in den Sturm gerückt. Jedenfalls in den beiden jüngsten Begegnungen, in denen Charline jeweils einen Treffer markierte. Wenn sie nicht gerade auf Tore- und Punktejagd für Grohn geht, trainiert und coacht sie zusammen mit ihren Mannschaftskameradinnen Anuschka Winkelmann und Inga Schlimme das Mädchenteam der "Husaren". Inga und Anuschka sind auch die besten Freundinnen, mit denen die junge Frau shoppen geht oder auf Inline-Skatern am Lesumdeich im Werderland unterwegs ist. Charline arbeitet auch in der Ausbildung im Schichtdienst.
Deshalb muss sie sich an diesem Vormittag von Leonie und ihrem Nachwuchs sowie von Freund Tobias verabschieden. Der 25-jährige Student hat Basketball in Lesum gespielt und ist Fan von Borussia Dortmund und, wie seine Freundin, von Werder Bremen - und vom Grohner Frauenteam. Seine Ratschläge sind offensichtlich schon aufgefallen. "Vielleicht", lächelt Charline, "wird er demnächst Co-Trainer bei uns."

Die Norddeutsche vom 10. Juni 2010